Wiederaufbau

Geldbeschaffung, Bau und Begegnung, dies sind die zentralen Themen, die sich in den 1920er Jahren um die Burg bewegen. Besonders die Finanzierung des Aufbaus einer Ruine zu einer Herberge und seit 1922 zu einem Reichsarchiv der deutschen Jugendbewegung bereitet in Zeiten einer rasanten Geldentwertung große Sorgen. Aber Not macht erfinderisch: Die Burg gibt eigenes Geld in Form von Opferscheinen heraus. Bei reichsweiten Opferwochen sammeln die verschiedensten Bünde der Jugendbewegung durch Laienspiel, Lichtbildvorträge und Liederabende Spenden für die Burg. Schatzmarken und Bausteine bringen Geld in die Kasse. Und auch die Mitglieder der Vereinigung geben ihren Teil – eine große Anzahl der mehr als 1.000 Mitglieder zweigt monatlich ein Zehntel seines Einkommens für die Burg ab. Der Kronacher Bund schafft eine "Burgwartshilfe", um dem Burgwart eine angemessene Bezahlung zu ermöglichen, und 1923 wird auf der Burg ein Verkaufsraum mit handwerklichen Produkten aus den Gruppen eröffnet.

Wer kein Geld geben kann, packt beim Aufbau mit an. Gerade in den wirtschaftlich schwachen Zeiten finden viele arbeitslose Jugendbewegte ihren Weg zum Ludwigstein. Daneben zieht es die verschiedensten Jugendgruppen immer wieder von Fahrt auf die Burg. Steine und andere Baumaterialien gelangen zum Teil von Hand zu Hand den Burgberg hinauf, und langsam entsteht aus der Ruine wirklich wieder eine Burg, die zum geistigen Zentrum der Jugendbewegung und zur Stätte gegenseitiger Begegnung wird. Der Burgwart Hans Schneidewind beschreibt die Grundlagen des Miteinander höchst unterschiedlicher Gesinnungen:

"Es wurde viel diskutiert – geklönt sagte man damals – aber ehrlich sagen musste man, wie man es meinte. Wer auf der Burg etwa Propaganda machen wollte, der war schnell draußen. Auch musste man den anderen so gelten lassen, wie er war. Das ging ja auch gar nicht anders, weil hier die verschiedensten Bünde und Richtungen, vom Jungdeutschen Orden bis zur Kommunistischen Jugend unter einem Dach zusammenkamen. Und sie kamen nicht unter der freundlichen Leitung von diskussionserfahrenen älteren Herren, sondern nur mit dem Wissen um diesen Geist der Burg. Es ist mir heute noch unfassbar, wie dieses immer wieder gelang. Von "innerer Wahrhaftigkeit", vom "Vermächtnis der gefallenen Wandervögel", von "Toleranz" wurde nicht viel gesprochen, aber das alles war da!"

Die erste große Baustelle der Gruppen ist der Landgrafenflügel, der bereits 1921 abgetragen, gehoben, gerichtet und vollständig wieder aufgebaut wird. Das Jahr 1922 steht ganz im Zeichen des Innenausbaus. Der Seitenbau wird als Notbleibe hergerichtet, der Mittelbau als Wirtschaftsbau wieder in Betrieb genommen. Obwohl es auf der Burg keinen Strom gibt, wird bereits mit der Verkabelung begonnen. 1923 wird der Söller vor der Burg neu errichtet.

1924 tritt Harry Schliedermann sein Amt als Burgwart an. Die Dächer von Seiten- und Mittelbau werden abgedeckt, die Dachstühle niedergelegt und neu aufgerichtet. Fachwerkwände werden ersetzt, drei Schornsteine werden neu gemauert und alle Gewände der Fenster erneuert. Zudem werden der Turm und der Kamin des Mittelbaus neu verfugt. Mit dem Ausmauern der Gefache sind die Rohbauarbeiten nach vier Jahren weitgehend abgeschlossen.

1925 werden die Zuleitungen für Wasser, Strom und Telefon verlegt. Am Fuß der Burg wird das Brunnenhaus errichtet, das eine Wasserpumpe, einen Transformator und die neue Wohnung des Burgwarts aufnimmt. Eine Blitzschutzanlage wird installiert, die Turmhaube erneuert und der Greif des Wandervogels als Wetterfahne aufgesetzt.

Im gleichen Jahr tritt Karl Laabs als Vorsitzender an die Stelle von Enno Narten. In den Folgejahren sorgt eine Vielzahl von Verschönerungsmaßnahmen dafür, dass die Burg für die Gruppen immer attraktiver wird. Nicht jede Initiative wird zum Erfolg. Eine im Jahr 1927 gestartete Lotterie bringt die Vereinigung an den Rand des finanziellen Ruins. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Herbergsbetrieb aber bereits gefestigt.

Zu Beginn der 30er Jahre werden ein Zwerchgiebel (auf dem Landgrafenflügel) und eine Giebelgaube (auf dem Mittelbau) neu errichtet, sowie der Pferdestall durch die Schaffung großzügiger Fensteröffnungen zum "Rittersaal" umgestaltet. Mit den Arbeiten am Gedenkraum, die den Ausbau abschließen sollen, wird 1932 begonnen.

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