Die Paaschelinde

Hans Paasche, am 3. April 1881 in Rostock geboren, war ein Wortführer der Jugendbewegung, der u. a. als Redner 1913 am Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner teilnahm. Seine Erfahrungen als kaiserlicher Kolonialoffizier in Ostafrika machten ihn zum Pazifisten. Am 21. Mai 1920 wurde er auf seinem Gut Waldfrieden in der Neumark vor den Augen seiner Kinder von rechtsgerichteten Freischärlern erschossen.

Die Burg Ludwigstein war gerade von Jugendbewegten in Besitz genommen worden, um sie als Ehrenmal für die gefallenen Wandervögel des Ersten Weltkriegs wieder aufzubauen. Unter dem Eindruck des Todes von Hans Paasche erhielt die stattliche, 500 Jahre alte Linde, die als Naturdenkmal unterhalb der Burg stand, den Namen "Paaschelinde".

Im Jahr 2002 fiel die Linde im Sturm. Von Gut Waldfrieden, das heute in Polen liegt, war von Paasches Tochter zuvor schon dessen Grabstein zum Ludwigstein gebracht worden. Polnische Jugendliche gruben nun auf dem zerfallenen Gut eine junge Linde aus und pflanzten sie gemeinsam mit deutschen Wan­dervögeln und Pfadfindern an die Stelle des alten Baums. So besteht der Platz um die Paaschelinde weiter als Ort des Gedenkens.

Eines der bekanntesten Werke Hans Paasches ist "Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland". Hierin beschreibt Paasche in neun fiktiven Briefen eines Ostafrikaners das eingeengte Leben in der Kaiserzeit. Die Jugendbildungsstätte erarbeitet derzeit in einem deutsch-polnischen Projekt einen zehnten Brief, der auf unsere aktuelle Situation Bezug nehmen soll.