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Bildung für nachhaltige
Entwicklung
Success for Future Award
Platz 1 im Publikumspreis
Engagement im Fokus
Platz 1
Voller Tatendrang und Leidenschaft
Aus ganz Deutschland kommen derzeit wieder Jugendbewegte auf den Ludwigstein, um mit dem Enno-Narten-Bau einen dritten Bebauungsring auf dem Burgberg zu beginnen. Woche für Woche geben sich die unterschiedlichsten Gruppen die Kelle in die Hand, lachend, singend und begeistert vom gemeinsamen Tun. Kein Name steht eindeutiger für das, was derzeit dort geschieht, als der Name Enno Narten.
Am 6. April 1889 wurde Enno Narten in Oldenburg geboren. Schon während seiner Schulzeit schloss er sich dem gerade im Aufbruch befindlichen Wandervogel an. Dass den jungen Enno Narten ein leidenschaftliches Engagement mit dem jugendbewegten Treiben verband, war allgemein bekannt, und als er in Hannover sein Bauingenieursstudium begann, war es wenig überraschend, dass sein Geologieprofessor Hans Stille auf einer Pfingstexkursion auf den Hanstein 1908 mit den Worten auf den seinerzeit leer stehenden Ludwigstein wies: „Narten, das wäre doch etwas für sie und ihren Wandervogel, so eine verlassene Burg!“
Enno Narten fing sofort Feuer, wanderte gleich im Anschluss an die Exkursion zum Ludwigstein, warb schon vor dem Meißnertreffen 1913 für die Idee, die Burg für die Jugendbewegung in Besitz zu nehmen und nutzte die große Zusammenkunft der Gruppen, um das Domizil vom Hohen Meißner aus mit anderen Jugendbewegten über mehrere Tage genauer in Augenschein zu nehmen.
Als wenig später der Krieg ausbrach, fasste Enno Narten in der Weihnachtsnacht 1914 gemeinsam mit sechs anderen „Feldwandervögeln“ im nordfranzösischen St. Quentin den Entschluss, den Ludwigstein zu erwerben und zu einem lebendigen Ehrenmal für die gefallenen Wandervögel auszubauen.
Vier lange Jahre sollten bis zum Kriegsende vergehen, und 7000 Wandervögel kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Ihnen allen fühlte sich Enno Narten verpflichtet, als er gleich nach Kriegsende sein Lebenswerk begann. Mit Geschick, Überzeugungskraft und Beharrlichkeit gelang es ihm, die Bünde für seine Idee zu gewinnen. Inmitten von Inflation und Nachkriegsunruhen warb er Spenden für das große Gemeinschaftswerk ein und überzeugte die Regierung schließlich davon, die Burg der von ihm ins Leben gerufenen Vereinigung als Jugendburg zu übertragen.
Enno Nartens Konzept, in Zeiten wirtschaftlicher Not junge Menschen unentgeltlich für die Neuerrichtung einer Burg zu gewinnen, hielt nicht jeder für viel versprechend. Aber der Idealismus, von dem der Bau bald getragen war, zerstreute diese Bedenken schnell: Aus allen Richtungen strömten plötzlich junge Helfer aus den Jugendbünden auf den Ludwigstein, um froh und doch mit großer Ernsthaftigkeit an ihrer Burg zu bauen.
Es war nicht der Ludwigstein allein, der das rastlose Streben von Enno Narten bestimmte. In Bad Karlshafen sollte ein für alle offenes „Haus der Jugend“ entstehen, für das er sich mit Schwung einsetzte. Und 1927 wurde er in Zeitz der erste Kreisjugendpfleger Preußens und leitete ab 1929 mehrere Jahre lang ein Burschen- und Lehrlingsheim in Leipzig.
Doch schon wenige Jahre später wurde die Burg erneut Mittelpunkt seines Strebens. Obwohl sich die HJ 1933 auf der Jugendburg einrichtete, sammelte Enno Narten hier bis in den Krieg hinein Versprengte der verbotenen Bünde. 1941 wurde es der Gestapo buchstäblich zu bunt, und es kam zur Enteignung. Noch 1944 aber brachte Enno Narten ausgebombte Kriegskinder auf die Burg, um ihnen dort ein paar frohere Tage zu schenken.
1945 versetzte Enno Narten das überbündische Netzwerk wieder in Hochbetrieb. Mit den Besatzungsmächten verhandelte er erfolgreich über die Rückführung des Ludwigstein, und 1946 kam es zur Wiedergründung der Vereinigung.
Bis zu seinem Lebensende blieb Enno Narten „seiner“ Jugendburg verbunden. Zeit seines Lebens hatte er sich immer wieder mit seiner ganzen Person eingebracht, wenn er spürte, dass es auf ihn ankam: ob als Hilfslehrer im Landesziehungsheim Haubinda 1914, bei der Gründung des Jugendrotkreuz nach 1945, im Naturschutz oder zuletzt bei Protesten gegen den Vietnamkrieg. Und immer wieder gelang es ihm dabei, unterschiedlichste Menschen zu gemeinsamem Tun zusammenzuführen.
Enno Narten war seit 1920 mit seiner Frau Ilse (geb. Peine, 1894-1974) verheiratet und Familienvater von drei Kindern. Sein rastloses Leben voller Tatendrang und Leidenschaft endete am 10. Januar 1973. Trotz einiger Sorgen und Rückschläge schrieb er kurz vor seinem Tod: „Meine ganzen Lebensjahre waren voller Sonne und Schönheit“.
Er hatte nie verlernt, im besten Sinne des Wortes jugendbewegt zu sein.





