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4.2.2012 : 10:21

Arbeitskreis Schatten der Jugendbewegung


Der Arbeitskreis Schatten der Jugendbewegung ist im Frühjahr 2010 gegründet worden und besteht aus jugendbewegten Männern und Frauen aus verschiedenen Bünden.
Ausgehend von der Burg Ludwigstein, die das Archiv der deutschen Jugendbewegung beherbergt und seit 90 Jahren Zentrum der Jugendbewegung ist, wollen wir gemeinsam die dunklen Seiten des Missbrauchs, die sich seit Beginn wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehn, erkennen, und Angebote entwickeln, um diesem roten Faden ein Ende bereiten zu können.
Wir sehen es als seine Aufgabe, Kinder und Jugendliche in jugendbewegten Gruppen vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Dazu gibt es verschiedene präventive Angebote.
Dazu gehört für uns aber auch, den Kindern und Erwachsenen Beachtung zukommen zu lassen, die in den vergangenen 100 Jahren in der Jugendbewegung Opfer geworden sind.
Hierzu wollen wir uns an einer historischen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im jugendbewegten Kontext beteiligen.

Mit Schrecken haben wir festgestellt, dass unter dem Begriff pädagogischer Eros, der über Jahrzehnte das Leitmotiv vieler jugendbewegter Gruppen  war, eine Legitimation für sexuelle Übergriffe stattgefunden hat.
Es scheint so, als sei vielen Leuten schon immer bekannt gewesen, dass der ein oder andere ein „Grapscher“ war, ohne dass es konkrete Nachfragen gegeben, oder gar eine Ächtung solchen Verhaltens stattgefunden hätte.
Ähnlich wie in anderen Institutionen scheint hier ein Umfeld des Mitwissens und damit einer teilweisen Legitimation durch nicht widersprechen entstanden zu sein.
Das wollen wir so nicht länger hinnehmen. Gerade in unseren kleinen, verschworenen Gemeinschaften der Fahrtengruppe, ist das Vertrauen der Kinder in ihre Leiter besonders groß und gerade hier ist die gesunde  Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ein hohes Ideal. Dieses gilt es von den verantwortlichen Gruppenleitern zu schützen und zu pflegen.
Ein Missbrauch dieser Nähe zur Befriedigung eigener sexueller Triebe ist daher für uns nicht hinnehmbar.

Präventionsangebote:

Leider ist nicht der Missbrauch das Tabu, sondern das Sprechen darüber. Nur so ist erklärlich, dass sich seit 2010 Menschen 30 ,40 Jahre nach dem erlittenen Missbrauch zu Wort melden; nur so ist es erklärlich, dass Kinder in der Regel 7 Ansprechpersonen brauchen, bis ihr die 8. Person Gehör schenkt.
Diesem Tabu wollen wir entgegen wirken und euch Angebote zur Prävention von Missbrauch machen.
Diese können je nach Bedarf ein ganzes Wochenende umfassen, und als separate Veranstaltung entweder bei uns auf der Ludwigstein oder vor Ort bei den Gruppen durchgeführt werden. Ihr könnt uns dafür als Referenten einladen.

Oder es besteht die Möglichkeit an Gruppenleiterschulungen eine Einheit zum Thema Prävention einzubauen.

Themen des Seminarangebotes sind:

  • Begriffsdefinition und Einführung ins Thema
  • Macht und Machtmissbrauch
  • Täterstrategien
  • Grenzen und Grenzverletzungen
  • Schutzmöglichkeiten
  • Folgen für das Opfer
  • Intervention bei Missbrauch
  • Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen


Historische Betrachtung/Archivführung:

In Kooperation mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung bieten wir eine Archivführung zum Thema „Pädagogischer Eros als Legitimation sexueller Gewalt in den Jugendbünden“ an.
Seit der ersten Spaltung des Wandervogels ist das Thema pädagogischer Eros und Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen eineThema, was den Wandervogel beschäftigt hat. Um 1900 ist das sicher in einem anderen moralischen und gesellschaftlichen Kontext zu bewerten als heute, doch warum haben wir uns mit dem pädagogischen Eros bis heute nicht kritisch auseinandergesetz?
Im Archiv findet sich dazu viel Material, wie der Nachlass von Gustav Wynecken oder Hans Blühers, beides Verfechter des pädagogischen Eros die beide erwiesener Maßen auch sexuelle Kontakte mit ihren Knaben hatten.

Einzelnen Bünden und Projekten bieten wir an, mit unserer Kenntnis des Archivs, bei der Aufarbeitung der eigenen Bundes- oder Projektgeschichte behilflich zu sein.

Termine

2.-4.5.2012
Fortbildung: Aufdeckung und Aufarbeitung sexueller Gewalt in Jugendgruppen

7.-9.9.01.2012
Fortbildung: Schatten der Jugendbewegung