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25.5.2013 : 17:48

Drei Monate am Enno-Narten-Bau

Puuh... wenn ich die letzten drei Monate Revue passieren lasse, werde ich doch sentimental. Mein Praktikum auf der Enno-Baustelle ist nun vorbei und gestern wurde ich von kafe zum Bahnhof gefahren. Bestimmt war dies nicht meine letzte Zeit auf der Burg, aber wohl die mit Abstand intensivste. Ich habe viel gelernt, getan und erlebt, neue Freundschaften geknüpft und noch einmal viel gelernt.

Nicht nur subjektiv betrachtet war dieses Praktikum ein ganz besonderes. In der gesamten Zeit war ich nicht nur Dienstbotin und Putzfrau (wozu Praktikanten ja leider oft gemacht werden), sondern habe mich um den Enno-Blog (dort könnt ihr auch nachvollziehen, was ich wann genau gemacht habe) gekümmert und ihn mit Fotos und Beiträgen gefüttert, habe auf der Baustelle gearbeitet und, als meine Arme gestreikt haben, für die Winterbauhütte Materiallisten geschrieben und Materialien bestellt, die Verbindung zu den Baustellenleitern und Bauhelfern gehalten, die Organisation ihrer Unterbringung und das Erfassen ihrer vielen Arbeitsstunden übernommen.

In allen Situationen hatte ich eine Vielzahl an Ansprechpartnern, unter ihnen in erster Linie kafe und die Baustellen-Crew, aber auch Meike, Selmar und die Büro- und Küchendamen standen mir so gut es ging zur Seite. (Dafür vielen lieben Dank!)

Wenn man nun also zurückschaut, war es eine lehrreiche und schöne Zeit, die ich allerdings nicht näher definieren kann. Die Burg fesselt, und schon bevor ich gefahren bin stand fest, dass ich bald wiederkommen werde. Dann jedoch als einfache Bauhelferin...

Daniela Hichert (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder)
Praktikantin der Stiftung Jugendburg Ludwigstein 2011/2012

Sprachschüler auf der Burg

Meine Name ist Özcan Daghan. Ich komme aus der Türkei, aus der Stadt Diyarbakir. Ich habe einen Bruder und eine Schwester. Ich spreche türkisch, zazaki und ganz wenig deutsch. Ich bin 15 Jahre alt. Ich bin 7 Monate in Deutschland. Mein Hobby ist Fitnesstraining und Bodybuilding. Ich wohne in der Stadt Kassel. Ich möchte Deutsch lernen und arbeiten. Das Bauen war gut und anstrengend.

Mein Name ist Hussain Rasho. Ich komme aus dem Irak, aus Alkosch. Ich bin 24 Jahre alt. Ich bin in Deutschland seit einem Jahr und 2 Monaten. Meine Familie ist auch in Deutschland. Ich habe zwei Brüder und drei Schwestern. Ich spreche kurdisch, arabisch und etwas deutsch. Ich möchte später ein Internetcafe mit Kioskl eröffnen. Wenn ich wieder zur Burg komme, möchte ich Boot fahren auf dem Fluss.

Mein Name ist Ali Didar. Ich komme aus Afghanistan. Mit drei Jahren kam ich in den Iran. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin ohne Familie hier und wohne im Jugendwohnheim Kassel. Seit zwei Jahren bin ich in Deutschland und verstehe deutsch ganz gut.

Mein Name ist Aminata Ilenda. Ich komme aus dem Kongo, Stadt Kinshasa. Ich bin 18 Jahre alt. Mein Hobby ist Boxen. Ich wohne in Kaufungen. Ich bin Kongolesin. Ich spreche französisch, deutsch und ligala. Ich möchte einen Schulabschluss machen und dann arbeiten. Ich bin 9 Monate in Deutschland. Ich bin in Deutschland ohne Familie. Ich möchte in Deutschland bleiben. Ich möchte meinen Weg selbst machen.

Mein Name ist Abuya Saed. Ich komme aus Somalia. Ich habe eine Madrassa besucht, eine Koranschule. Ich bin in Deutschland seit 10 Monaten. Vorher war ich in Newcastle in England. Ich bin allein in Deutschland.

Von Seattle auf den Ludwigstein

Rund 8070 Kilometer liegen zwischen ihrer Heimatstadt und der Jugendburg Ludwigstein. Einmal quer über den Atlantik flogen Barbara Rogstad und Alexander „Lex“ Neufeld aus der „Smaragdstadt“ Seattle/USA nach Deutschland. Seit Anfang April verstärken sie das Team der freiwilligen Helfer auf der Burg.

Von einer großen amerikanischen Stadt auf den beschaulich gelegenen Burgberg – ist das nicht eine immense Umstellung? „So groß ist Seattle nicht“, relativiert der 27-jährige Lex schmunzelnd. Und immerhin konnten die Beiden, die seit sieben Jahren ein Paar sind, vor ihrem Einsatz auf der Burg deutsche Großstadtluft schnuppern: Ihr erster Arbeitseinsatz führte sie nach Berlin von wo aus sie in das Werratal wechselten. Lex wird neun Monate auf der Burg bleiben, Barbara drei Monate. „Es ist sehr groß und die Menschen sind sehr nett. Hier ist jeder bestrebt, immer Neues zu lernen“, fasst Lex seine ersten Eindrücke vom Burgleben zusammen. Und Barbara ergänzt: „Hier ist alles auf Jugendliche fokussiert. Es ist offener, wärmer und freundlicher als während meines letzten Projekts.“

Die 23-jährige Barbara ist hauptsächlich am Enno-Narten-Bau beschäftigt und übersetzt zusätzlich die Homepage der Burg in Englisch und Französisch – sie hat je einen Bachelor-Abschluss in Deutsch und Französisch. Der gelernte IT-Arbeiter Lex fasst sein Aufgabengebiet kurz und knapp mit „Alles“ zusammen. „Alles“ bedeutet: bauen, putzen, am W-LAN-System und an Energiesparmaßnahmen für die Heizung arbeiten. Zusätzlich gärtnert er. Erstes Projekt ist das von ihm angelegte Gemüsebeet voller Salatpflanzen. Demnächst soll noch ein Treibhaus entstehen, um Blumen selbst zu ziehen.

„Ich hoffe, dass ich hier Einblicke bekomme, wie eine deutsche Organisation funktioniert und wie die Menschen miteinander agieren“, erklärt Barbara, die über die Organisation „ICJA – Freiwilligenaustausch international“ den Weg auf die Burg gefunden hat. Später möchte sie ein Ehrenamtlichen-Programm in den Vereinigten Staaten aufbauen. „Daher ist es wichtig zu sehen, wie es in anderen Ländern funktioniert.“ Vorerst zieht es die US-Amerikanerin jedoch nach ihrem Aufenthalt auf der Burg ins australische Sydney für ein Master-Studium in internationalen Beziehungen und Kommunikation. Lex hat sich noch nicht entschieden, ob er ihr folgt oder lieber wieder nach Seattle zieht. Aber für diese Entscheidung haben beide Zeit – vorerst genießen sie noch ihre Zeit auf der Burg.

Yokohama-Staub am Enno

Hallo, ich bin Himeka Kurihara aus Japan und 20 Jahre alt. Ich habe hier  bei der Jugendbildungsstätte 3 Wochen Praktikum gemacht.

Meistens habe ich geholfen, die Klassenfahrten zu betreuen. Die Kinder haben da viel über das Mittelalter gelernt. Das war für mich auch interessant. Ich habe von meinen Kollegen gelernt, nicht nur über das Mittelalter, sondern auch, wie man Kindern helfen kann oder soll. Früher, als ich in Japan mit Kinder arbeitete, wollte ich ihnen immer helfen und mich kümmern. Dieses mal konnte ich lernen, wie viel sie selbst machen können und möchten.

Mit den Kindern habe ich Speckstein gestaltet, Bälle gefilzt und Wappen von Rittern gebastelt. Es ist für die Kinder nicht sehr leicht, mit Speckstein zu arbeiten. Aber sie können sehen, wie viel sie schon gemacht haben. Das ist ihr Erfolg. Bei dem Filzen brauchen die Kinder viel Geduld. Der Ball wird als Kugel mit heißem Wasser geformt. Er muss hart werden, darf aber nicht zu naß sein. Die Kinder können nicht immer sehen, wie viel sie schon geschafft haben, aber schließlich machen sie alle schöne bunte Bälle. Als ich das mitgemacht habe, habe ich Muskelkater in den Armen bekommen (übrigens, ich sage gerne „Muskelkatze“, das klingt nach einem kleineren Schmerz). Ich finde das toll, dass alle Kinder diese Programm schaffen können.

Auf der Burg habe ich auch eine Katze gesehen. Wenn jemand sie wiedergefunden hat, muss man sie zähmen und sie Mäuse fangen lassen. In Deutschland gibt es viele Mäuse und Fliegen. In Japan haben wir viele Kakerlaken und Moskitos.

Es gibt momentan eine Baustelle auf der Burg. Sie heißt Enno-Narten-Bau und wird von jungen Leuten gebaut. Ich durfte auch da mitarbeiten und schon wieder bekam ich Muskelkater. Aber etwas selbst zu machen, macht Spaß finde ich. Das Haus wächst Stück für Stück. Ich finde der Enno-Narten-Bau ist ein großer Speckstein. Es ist schade, dass ich das fertiggestellte Haus nicht sehen kann..

Ein Stück unter der Jugendbildungsstätte gibt es das Archiv der deutschen Jugendbewerbung. Da kann man jede Menge Materialien sehen. Ich habe auch einige Halstücher aus Japan gefunden. Ich habe mich gefreut, dass japanische Pfadfinder auch ein Teil von der Geschichte der Jugendbewegung sind.

Die Burg Ludwigstein stand in der Nähe von der ehemaligen Grenze zwischen der DDR und der BRD. Ich bin zum Grenzmuseum mit dem Fahrrad gefahren. Es war völlig anstrengend, denn der Weg war lang und sehr steil. Im Museum kann man sehr viele Sachen aus der Zeit von dem „Kaltkrieg“ gucken und lernen. Der Weg war hart aber das lohnt sich sehr :)

Um die Burg herum gibt es viel schöne Natur, Berge, einen Fluss und kleine Dörfer. Von der Burg kann man viele kleine, rote Dächer und grüne Wälder sehen. So ein fabelhafter Ausblick!   
Während ich hier gearbeitet habe, habe ich bei einer Gastfamilie in Witzenhausen gewohnt. In der Nacht während des Kulturprojektes von „Treppen, Keller Hinterhöfe“ habe ich über Nordhessen die erstaunliche Milchstraße und eine kleine Sternschnuppe gesehen. Es gibt in Witzenhausen hübsche Fachwerkhäuser und schöne Kirschbäume. Als ich hier angekommen bin, gab es leider keine Kirschen mehr. Wenn ich wieder hierher komme, möchte ich einen Mund voll Kirschen essen. Dafür muss ich üben zu spucken.

In Japan wohne ich in Yokohama. Das ist eine große Stadt und gibt dort es noch mehr Hochhäuser als in Frankfurt am Main. Ein kleines Gedicht, soll euch über meine Stadt erzählen:

Man kann dort nicht viel Sterne sehen,
man muß den Staub in die Lunge ziehen.
Kalter Wind bläst von der See,
aber unser Staub wird niemals Schnee.

Vielen Dank, dass ich hier eine gute Erfahrung gewinnen konnte. Ich wünsche euch eine schöne Winterzeit mit genug Streusalz und wunderbarem Erfolg bei dem Bau. Wenn ihr mal nach Japan kommt, meldet euch bei mir, damit ich euch Yokohama im Staub zeigen kann. Aber nachts schauen wir vom höchsten Hochhaus in Yokohama über die glitzernde Stadt bis nach Tokyo.

Himeka Kurihara
Praktikantin der Jugendbildungsstätte 2010

Das Mädchen in den bunten Röcken

Was hat das Mädchen in den bunten Röcken eigentlich auf der Burg gemacht? Das Mädchen hieß Milena Migut – die polnische Praktikantin in der Jubi, die von März bis  Ende Mai das europäische Praktikum „Leonardo“ in Witzenhausen absolvierte. „Leonardo“ ist ein Projekt für junge Leute, die bereits einen Abschluß haben (ich bin Kulturwissenschaftlerin an der Universität Lublin) und nun praktische Erfahrung im Ausland bekommen möchten. Neben dem schönen Leben im Werratal mit seinen Ideen und Kirchen, wollte ich auch sehen, wie die informelle Erziehung in Deutschland aussieht. Ich selbst war mehrere Jahre eine Pfadfinderin und Stammesleiterin in Polen. Dewegen war mir die deutsche Perspektive sehr wichtig.

Während dieser drei Monate hatte ich eine Hauptaufgabe – die Vorbereitung eines Projektes über Karl Laabs, einem Architekten, der in den 20er Jahren die Burg mit aufgebaut hat und hier in der Nähe wohnte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Laabs nach Chrzanów (20 km nördlich von Auschwitz) gesendet, arbeitete dort und half heimlich Juden und Polen. 1980 wurde ihm vom Staat Israel der Titel "Gerechter unter den Völkern" zuerkannt. Im Rahmen des Projektes werden deutsche und polnische Pfadfinder nach den Spuren von Karl Laabs in Chrzanów und Nordhessen suchen.

Das war mein Schwerpunkt, aber nicht die einzige Aufgabe, die ich auf der Burg hatte. Fast jeden Tag habe ich mit auf der Burg anwesenden Gruppen etwas zusammen gemacht – DDR-Trekking, Radioworkshops, Junge Römer, Mittelalter. Es war mir besonderes wichtig mit den Jugendlichen zu reden. Während der Wanderungen und Fahrradtouren haben sie mir immer viele Fragen über Polen gestellt, waren immer begeistert und wollten stets was Neues lernen, z.B. polnische Backrezepte. In der Regel wurde ich erstaunlicherweise immer zuerst von den Schülern angesprochen. Für manche war ich die erste Ausländerin, mit der sie persönlich gesprochen haben.

Und die Burg selbst? Sie ist etwas ganz besonderes. In Polen gibt es nicht so viele solche Jugendbildungsstätten. Und nicht so viele Orte, wo Jugendliche selbst etwas machen – sich um den Ort und seine Gäste kümmern. Es ist ziemlich beeindruckend, dass die Zivis auf der Burg Tag und Nacht wohnen, immer da sind, da arbeiten und jedem helfen. Die ganze Burgphilosophie – das man sich um die Burg kümmert und auf diese Art auch um die sie umgebende Heimat beeindruckt mich. Ich sehe hier eine gesellschaftliche, und schon als Kind gelernte, Haltung die typisch für Deutschland ist. Ich meine, ich mag keine Verallgemeinerungen, aber wenn man in Deutschland wohnt, ist  das wahrscheinlich schwerer zu sehen. Es funktioniert hier einfach alles. Naja... mehr oder weniger. Ich glaube, die Deutschen spüren viel Verantwortlichkeit für das was sie machen. Und eine solche Einstellung muss man lernen und dafür ist die Burg ein geeigneter Ort, ein allerbestes Beispiel.

Ich möchte mich herzlich bedanken für alles Gute, das ich hier erlebt habe. Danke Jubi, für Geduld und Enthusiasmus, den Glauben, das alles gut wird und eure Perfektion, von der ich nur lernen kann.

Milena Migut (Pfadfinderin aus Polen)
Praktikantin der Jugendbildungsstätte 2010

Zwei Wochen Burg – volles Programm!

An einem Montag kamen wir an, die neuen Praktikanten, hilflos und verunsichert, vielleicht ein zwei mal auf der Burg gewesen und deshalb ohne jegliches Vorwissen. Zwei Wochen später: Wir sind stark und voller Begeisterung für die Burg zu arbeiten und von unserer Kreativität und unserem Potenzial Gebrauch zu machen. Mit der Erfahrung aus vielen Aufgaben, wie z.B. dem Gestalten eines Liederbuches und neuen Freunden aus drei verschiedenen Schulklassen und dem berüchtigten Ziviflur können wir zufrieden nach Hause gehen. Wir haben nicht nur typische Arbeiten für Praktikanten verrichtet, wie das Falten von Flyern, sondern durften auch so manche Klasse auf ihren Ausflügen begleiten. Ob nun auf dem Fahrrad oder auf dem Wasser, wir hoffen, wir waren wenigstens eine kleine Unterstützung und haben den Leitern einen Teil der Arbeit abgenommen. Wir freuten uns außerdem über das positive Feedback der einzelnen Klassen und ihrer Lehrer. Wenn ihr bündischen Helfer demnächst alle auf der Bauhütte zum Enno-Narten-Bau erscheint und eines der dortigen Liederbücher in den Händen haltet, könnt ihr eine weitere, von uns bewältigte Aufgabe, begutachten und hoffentlich genießen. Da heute unser letzter Tag ist, sagen wir Horridoh und auf Wiedersehen und wünschen allen Burgbesuchern und allen hier arbeitenden Leuten eine schöne Zeit, wann immer sie auf der Burg verweilen.

Jack und Thales (Weinbacher Wandervogel)
Praktikanten der Jugendbildungsstätte 2010

Schnelle sieben Monate

Nun ist meine Zeit als Praktikant in der Jugendbildungsstätte schon fast um. Es ist kaum zu glauben, wie schnell diese sieben Monate vergangen sind. Wenn ich so darüber nachdenke, was ich alles gemacht habe, kann ich vielleicht ein wenig stolz darauf sein, wie viele verschiedene Aufgaben man mir übertragen hat: Mittelalter- und Römerprogramm, Radiowerkstatt und eine Kanutour sind ja schon fast eher Ferien- oder Freizeitprogramm. Doch ganz so „Freizeit“ war es dann doch nicht, denn manch eine Klasse war alles andere als umgangsfreundlich. Man sollte den Hut vor Lehrern ziehen, denn was die an sozialpädagogischer Arbeit leisten ist unglaublich.

Einer der Höhepunkte war bestimmt das Beräunertreffen, was ein ziemliches Chaos war, da unerwartet viele Besucher kamen. Es musste noch Essen nachgeholt werden; die Eintrittsbändchen und die Kopien des Liederbuches haben nicht gereicht. Doch durch Improvisation, viel Einsatz und einen kühlen Kopf hat auch das geklappt. Durch die Vorbereitung auf das Meißnerjubiläum 2013 habe ich einiges über die Geschichte der Jugendbewegung gelernt. An diese detaillierten Informationen wäre ich trotz meines Pfadfinderintergrundes nicht gekommen, da ich mich bisher nie mit der Geschichte der Jugendbewegung beschäftigt habe.

Gedanken zum Bündischen: Außerhalb der verrichteten Tätigkeiten fühlt man sich einfach geborgen und heimisch auf der Burg. So geht es vielen Leuten, die eine Zeit hier oben waren. Ob es einfach die Aura der Burg ist oder die geschichtsbehafteten Mauern, die einen unbewusst faszinieren? Vielleicht ist das auch der Grund für die treuen Burgpilgerer, ob sie jetzt bündisch sind oder auch nicht. Menschen, die für die Burg stehen, tun auch alles um diese zu beschützen und zu festigen. Als Objektmanifest, welches für Generationen von Bündischen als Hafen und Heimat von der erfahrenen Welt ist. Aus bündischer Sichtweise würde ich mir wünschen, das alle Bünde die Burg als Begegnungsstätte betrachten, ungeachtet der politischen Einstellung. Man kann die Mitte bewahren, indem man sich mit den vermeintlich ach so anders Denkenden auseinandersetzt; vielleicht auch mal zusammen ein Fest begeht, ohne dass man Leute oder Bünde ausgrenzt. Ausgrenzung ist diffamierend und facht ein dualistisches Denken erst richtig an. Ich glaube, dass man heutzutage über das Schwarz-Weiß Denken hinwegkommen sollte - nein sogar hinwegkommen muss. Alleine die Gedankengänge (Unterwanderung der Bünde von Extremisten), die manch einer hat und verbreitet, sind schon eine Gefahr für das Bündische insgesamt. Die Zukunft kann man nur gemeinsam begehen in all unserer Vielfalt, die doch auch gleich was Hoffnungsvolles hat, weil es doch noch Abwechslung gibt und nicht diese ewige Gleichschaltung die wir in unserer Gesellschaft (Schul- und Universitätssystem) haben. Zumindest in den Bünden sollte Individuation und Individualität noch groß geschrieben werden. 

Julian (Christliche Pfadfinderschaft Langobarden)
Praktikant der Jugendbildungsstätte 2010

Ein Praktikum auf der Burg

Wenn Du mal viel über bündische Gruppen und Jugendarbeit erfahren willst, dann bist Du hier als Praktikant in der Jugendbildungsstätte richtig.

Hier kannst Du viel erleben, kennen lernen und in verschiedene Projekte und Programme 'reinschauen, selber entscheiden und viel an der frischen Luft arbeiten. Es ist sehr abwechslungsreich und aufregend. Du hast viel mit der Burg, dem Archiv und der Umgebung zu tun und kannst Dich sehr frei bewegen und Deine Ideen mit einfließen lassen. Sowieso ist alles immer sehr locker und lustig, so dass man die Arbeit gar nicht richtig merkt und dazu noch die Zeit vergisst, da alle zusammen arbeiten und man immer auf Hilfsbereitschaft stößt. Man kann viel mitplanen und organisieren und bekommt einige Aufgaben sehr frei gestellt, so dass Kreativität und Eigeninitiative gefordert werden. Außerdem lernt man die Burg sehr gut kennen und bekommt ein Stück Lebenserfahrung mit auf den weiteren Lebensweg.

Auch die Schulklassenprogramme sind immer wieder ein Erlebnis, da Schüler im Alter von sieben bis zwölf Jahren an diesen Projekten teilnehmen und häufig einen unterschiedlichen Wissensstand haben. Aber es macht immer Spaß mit ihnen zu arbeiten, wie zum Beispiel filzen, backen, Kerzen ziehen, Speckstein bearbeiten und viele andere Dinge.

Man bereitet aber auch viel für bündische Veranstaltungen vor wie das Beräunertreffen oder auch das Literarische Burgcafé. Das heißt, dass man auch hin und wieder am Wochenende arbeitet und einfach mithilft. Wer aber bündisch ist, findet die meisten Sachen sehr interessant und kommt oft auch, wenn es nicht unbedingt nötig ist.

Langeweile kann hier jedenfalls nicht aufkommen, weil man immer irgendetwas zu tun hat und auch auf viele nette und interessante Leute trifft.

Also: Es lohnt sich!

Antonia Rau (Deutscher Pfadfinderbund)
Praktikantin der Jugendbildungsstätte 2007/2008

Mehr zu Praktikumsstellen:

Praktika könnt Ihr auf der Burg grundsätzlich an vielen Stellen durchführen - z. B. in der Burgherberge in den Bereichen Kommunikation, Hauswirtschaft und Technik/Bau, im Archiv oder in der Jugendbildungsstätte. Die Dauer hat sich bislang von 14 Tagen bis zu einem Jahr erstreckt.

Praktika werden nicht vergütet, manchmal stellen wir Euch aber Unterkunft und Verpflegung.

Ob wir gerade Platz für Euch haben, das müssen wir jeweils prüfen. Wenn Ihr nicht schon einen Ansprechpartner habt, dann meldet Euch zunächst im Burgbüro, Tel. (05542)5017-10. Von dort aus werdet Ihr dann weitergeleitet.