Peter Rohland und die Waldeck-Festivals
Wechselausstellungen im Archiv
geöffnet mo. bis fr. 8.15 bis 12.15 Uhr sowie nach Vereinbarung
Das
Archiv der deutschen Jugendbewegung zeigt derzeit zwei von der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck leihweise zur Verfügung gestellte Ausstellungen zu Peter Rohland und den Folk Festivals der sechziger Jahre des 20. Jh. auf Burg Waldeck.
Peter (pitter) Rohland, 1933 in Berlin geboren, gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst dem Wandervogel Deutscher Bund unter Hoch Kühne an. 1951 zählte er zu den Mitbegründern der Schwäbischen Jungenschaft Göppingen, wo er zunächst einen straffen Führungsstil pflegte. 1952 gehörte seine Horte zu den Frankreichfahrern um Rudi Rogoll und Karl Mohri („Burgen – Zelte – Gräber“). Im gleichen Jahr fuhr pitter erstmals zur Burg Waldeck, wo er sich mit Werner (Hussa) Helwig anfreundete. In der Folge unternahm er auf dessen Spuren mehrere Griechenlandgroßfahrten und eine Orientfahrt, wobei er u. a. Lieder sammelte und sich der Lebensweise der Landstreicher annäherte. 1954 begann er in Tübingen ein Jurastudium, wechselte 1956 zur Musik und nach Berlin und kehrte der Universität 1960 endgültig den Rücken, um als Volkslied- und Chansonsänger Karriere zu machen, womit er sich leidlich über Wasser hielt. 1962 trat er erstmals in Paris auf und erarbeitete sich dort ein Repertoire jiddischer Lieder, mit dem er in den darauf folgenden Jahren auch in Funk und Fernsehen erfolgreich sein sollte. 1963 erschien bei Thorofon seine erste Schallplatte unter dem Titel „Vertäut am Abendstern“ – noch mit Liedern aus den Gruppen der Jugendbewegung. Zugleich arbeitete er mit Nachdruck an dem Programm „Landstreicherballaden“.
Der Versuch, eine eigenständige deutsche Chansonkultur zu schaffen, führte schließlich mit zum Festival „Chanson – Folklore – International“, das 1964 erstmals auf Burg Waldeck stattfand. An diesem Festival nahm u. a. auch der Nerother Wandervogel teil. In den kommenden Jahren entwickelten sich die Festivals jedoch von der bündischen mehr und mehr in eine politische Richtung. Die nun jährlich stattfindenden Veranstaltungen machten Liedermacher wie Reinhard Mey und Hannes Wader bekannt und inspirierten Peter Rohland zu seinem Programm „Songs deutscher Demokraten von 1948“, das beim Waldeck-Festival 1965 erstmals vorgestellt wurde. pitter hatte damit die dritte Gattung von „neuen“ Liedern auch in die jungen Gruppen gebracht.
1966 bereitete er das Programm „Balladen und Lieder des François Villon“ vor, die für Mai 1966 geplante Uraufführung kam jedoch nicht mehr zustande. Plötzlich und unerwartet verstarb Peter Rohland im Alter von nur 34 Jahren an einer Gehirnblutung. Die Festivals auf Burg Waldeck wurden mehr und mehr von politischen Diskussionen - zunächst um die Lieder, dann auch zunehmend ohne Lieder - gekennzeichnet. 1969 fand das letzte Festival statt, das ganz im Zeichen der politischen Auseinandersetzungen jener Zeit stand.
Die Ausstellungen zu Peter Rohland und zu den Waldeck-Festivals bestehen aus einer langen Reihe großformatiger Plakate und sind noch bis Ostern im Archiv zu sehen.