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31.7.2010 : 5:37

Die kommenden Konturen dämmern

Ein Bericht von Helmut König (helm)

Schon vor etlichen Jahren wurde von aktiven Ludwigsteinern der Vorschlag gemacht, ein Bauhüttengebäude zu errichten, um die Raumnot in verschiedenen Arbeitsbereichen zu überwinden. Der Vorschlag wurde heftig diskutiert, weil die Sanierung der Burgfinanzen zunächst im Vordergrund stehen mußte.

Aufgeschoben aber ist nicht aufgehoben, vor allem wenn hinter der Idee die Begeisterungsfähigkeit von Lampi (Peter Lampasiak), die sympathische Wucht von tolu (Thorsten Ludwig) und die listig sprühende und zugleich sture Stetigkeit von Stephan Sommerfeld stehen, samt ihren vielen Helfern, die sie mobilisieren konnten. Die nötigen Fördermittel konnten beschafft werden und dafür, dass der notwendige, nicht geringe Rest durch Eigenmittel und Eigentätigkeit erbracht werden kann, bietet die Burgbauhütte mit ihren Fachleuten und Helfern eine gute Voraussetzung.

So konnte am 10. Januar 2010 feierlich der Grundstein zum Enno–Narten–Bau gelegt werden, was bei einem Haus, das mit Lehm und Stroh gebaut wird, etwas kurios wirkt. Denn die mit den Urkunden bestückte und versiegelte Urne wurde ganz prosaisch in einen Strohballen versenkt und der Strohballen von den Vertretern der Bünde und zahlreich erschienenen Honoratioren zugenagelt.

Vorher aber war im mehr als voll besetzten Meißnersaal eine Festgesellschaft aus den Bünden und der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein versammelt, die zunächst durch den neuen Burgwart, Jörg Zimmer, begrüßt wurde. Es folgten erfreulich prägnante und angemessen kurze Grußworte der Staatssekretärin Petra Müller-Klepper aus dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, des Landrats des Werra-Meissner-Kreises, Stefan Reuss und der Vorsitzenden der Stiftung Jugendburg Ludwigstein und Archiv der deutschen Jugendbewegung, Eva Eisenträger.

Dazwischen wurden durch Meike Pilsl und Gunthard Stübiger vom Bauhüttenkreis die Baupläne nebst Wandmodell vorgestellt: Der Enno-Narten-Bau wird Platz bieten für eine Bauhütten- und Lehrwerkstatt, für Küche und Sanitäranlagen für die Zelter, für eine Erweiterung des Archivs der deutschen Jugendbewegung und schließlich für die Aktivitäten der Jugendbildungsstätte. Es wird nach ökologischen Grundsätzen gebaut, und schließlich soll mit regenerativen Energien nicht nur das Haus selbst beheizt, sondern auch noch die Kernburg mit versorgt werden.

So kann man ohne Übertreibung sagen, dass der Enno-Narten-Bau eine bedeutende Bereicherung  der Jugendburg Ludwigstein sein wird.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete dann die eigentliche Grundsteinlegung mit einer begleitenden Rede von Jürgen Reulecke, der die Entwicklung der Burg historisch zuordnete und mit den Worten von Jean Jaurès „Tradition bedeutet nicht, Asche zu bewahren, sondern Flammen am Brennen zu erhalten“, der nächsten Generation, die sich in dem Enno-Narten-Bau nun schon deutlich zur Tat gemeldet habe, symbolisch den Staffelstab überreichte.

 

 

Werkleute sind wir, Knappen, Jünger, Meister
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,
in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,
die strahlend und als ob sie Alles wüsste,
von dir kommt wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß:
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los
und deine kommenden Konturen dämmern.
Gott, du bist groß.

Reiner Maria Rilke, 1899