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20.4.2014 : 15:25

Lukanga Mukara - Der zehnte Brief

Deutsch-polnisch-tansanisches Jugendprojekt auf Hans Paasches Spuren

Hans Paasche (1881–1920) gilt als eine der interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Jugendbewegung. Nach einer Blitzkarriere als afrikakundiger Kolonialoffizier und Kapitänleutnant entwickelte er sich ab 1912 zu einem  zivilisationskritischen Pazifisten und wurde deshalb 1920 von Freikorps auf seinem Gut Waldfrieden ermordet.

Neben seinem wegweisenden Bekenntnis „Meine Mitschuld am Weltkriege“ kritisierte der Mitinitiator des Freideutschen Jugendtags auf dem Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHohen Meißner in den Briefen des Lukanga Mukara früh die grenzenlose Dynamik der Moderne und die Verlogenheit einer Gesellschaft, die tierquälend Fleisch isst und sich gesellschaftlich anerkannt im Rausch von Alkohol und Nikotin entgrenzt.

Die Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterVereinigung Jugendburg Ludwigstein gab noch im Jahr seines gewaltsamen Todes einer 300 Jahre alten Linde am Burgberg den Namen Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterPaaschelinde. Die Paaschelinde fiel 2002 dem Sturm zum Opfer.

Das Projekt startete im September 2007 mit sieben deutschen und zwölf polnischen Jugendlichen hier auf dem Ludwigstein. Sie folgten den schriftstellerischen Spuren Hans Paasches und fügten den neun (das deutsche Kaiserreich geißelnden) Briefen des Afrikaners Lukanga Mukara einen Startet den Datei-Downloadzehnten Brief hinzu. Die Seminarteilnahme von Prof. Gottfried Paasche, einem kanadischen Enkel Hans Paasches, verklammerte unser historisches Thema für die Jugendlichen eindrucksvoll in der Gegenwart. Feierlicher Höhepunkt war die gemeinsame Pflanzung und Benennung einer neuen, von Paasches ehemaligem Landgut in Polen stammenden Paaschelinde unterhalb der Jugendburg Ludwigstein.

Die Rückbegegnung im Mai 2008 in Krzyz/Wielkopolska hat neben dem Ausbau der sprachlichen und freundschaftlichen Jugendkontakte zwei inhaltliche Ziele. Zum einen will das Seminar auf Gut Waldfrieden den Spuren von Hans Paasche folgen. Zum anderen wollen die Jugendlichen selbst Paaschespuren legen. Geplant sind die Gestaltung einer afrikabezogenen Paascheecke in der örtlichen Schule, die künstlerisch-inhaltliche Umrahmung einer Buchpräsentation und die Vorbereitung einer deutsch-polnischen Gedenkfeier anläßlich des 88. Todestages von Hans Paasche am 21. Mai 2008.

2011 werden die polnischen und deutschen Schüler Hans Paasche nach Afrika folgen; dem Kontinent, auf dem er zu seinen grundlegenden Überzeugungen gelangte. „Ändert euren Sinn“, forderte Paasche damals, und wir wollen überprüfen, ob wir heute noch dazu bereit sind. Denn die Verheißungen von Wohlstand und Sicherheit durch Technik und Konsum bleiben nach wie vor prekär. Neue Modelle zu entwerfen und zu leben, die jenseits der Wachstumsideologie eine Balance von Mensch und Natur, von materiellen und immateriellen Bedürfnissen anstreben, bleibt eine Herausforderung an jede neue Generation. Ohne Hingabe im Sinne von leidenschaftlichem Engagement wird diese Aufgabe nicht zu lösen sein. Es ist ein Kraftakt, der von den Einzelnen vor allem Souveränität fordert und die Freiheit zum Verzicht. Und diese Tugend gilt ja bekanntermaßen als Klassiker unter den eingeübten Kategorien der Jugendbewegung.

Bilder und Texte zu diesem vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk, dem Hessischen Sozialministerium und der Stiftung Dokumentation der Jugendbewegung unterstützten Projekt findet sich auf einer dreisprachigen Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInternetseite.