Auszeichnungen
UNESCO-Modellprojekt
Bildung für nachhaltige
Entwicklung
Success for Future Award
Platz 1 im Publikumspreis
Engagement im Fokus
Platz 1
Demokratische Schule
mit Robert Welti & Co. - zusammengefasst von Stephan Sommerfeld
Mit einer eigenen Schulgründung am Rande Hamburgs versuchen Robert Welti, Antje Schröder und Jonas Kutzke ihre positiven Erfahrungen aus der Jugendbewegung (Piratenschaft Stormarn, Laninger Wandervogel) an Jüngere weiterzugeben. Als Diplom-Geologe, Sprachlehrforscherin und Student treiben sie aus einem Förderverein heraus das Projekt voran. Selbst wollen sie aber gar keine Lehrer an ihrer Schule werden. Klingt nach Idealismus und 10.000 Ehrenamtstunden. Ein Dritter Ring um die Hansestadt?
Das Wissen der Welt verdoppelt sich in rasant kurzen Abständen, es gibt keine lebenslangen Jobs mehr, die repressive Schule kann Persönlichkeiten zerstören, unter Zwang verabreichtes Wissen bleibt nicht abrufbar und 45-Minuten-Lernblöcke töten Kreativität. Aber Antje, Jonas und Robert formulieren nicht nur ihre Kritik gegenüber der staatlichen Schule, nein – sie haben auch ein alternatives Modell gefunden und sich zu eigen gemacht. Zuerst im Kopf, dann mit Unterstützern und zuletzt mit konkreten Anträgen in der Hand auf den langen Fluren der Schulbehörden. Mit nunmehr erteilter Betriebserlaubnis und allerhand interessierten Kindern und Eltern an ihrer Seite fehlen ihnen nur noch die Räume, um in Ahrensburg, unweit von Hamburg, mit ihrer eigenen Schule - einer Demokratischen Schule – an den Start gehen zu können.
Die Infinita, so der Name ihrer Bildungsstätte, wird als sogenannte Ersatzschule altersübergreifend Schüler zwischen 6 und 16 Jahren zum Monatspreis von 80 bis 320 € beschulen. Eine Schule ohne Lehrplan, ohne Noten, ohne Tests unter dem Motto „grenzenlos lernen“. Jeder darf sich frei bewegen und nach eigener Geschwindigkeit lernen, solange er die Freiheit anderer nicht einschränkt. In der Schulversammlung haben Groß und Klein eine demokratische Stimme und entscheiden mit über Lehrer, Putzpläne, Anschaffungen oder Hitzefrei. „Schüler wollen lernen“ sind die drei überzeugt und dem entsprechend machen Schüler an der Infinita einfach nur das was sie wollen. Lust gilt als Grundprinzip für selbst bestimmtes Lernen.
Demokratische Schulen gibt es inzwischen weltweit, am ausgeprägtesten in Israel, wo bereits staatliche Schulen das Modell übernommen haben. Robert selbst gehörte 2008 zu den Gründern der EUDEC, einem europäischen Netzwerk demokratischer Bildung. Bekannt ist z.B. die britische Sudbury Valley School, deren Schulgemeinde das Fehlen von Disziplinlosigkeit unter ihren Schülern hervor hebt oder die etwa 200 Regeln erwähnt, die sich die Schüler zur Ordnung ihrer Freiheit selbst gegeben haben.
Canyontief sind gewöhnlich die Gräben aus denen sich die Protagonisten der deutschen Schuldebatte befeuern und auch das Gespräch nach Vortragsende wirft sogleich erhebliche Furchen zwischen die Diskutanten der RingVorlesung, unter denen sich immerhin noch zwei andere Gründungsteams und der Schulleiter einer Regelschule befinden. Im Zentrum steht dabei die unterschiedliche Einschätzung des Schülers. Das der ganz freiwillig lernen will, wird genauso bezweifelt, wie die Verdammung des Marktmonolithen Staatsschule. Da man am Ende immer am klügsten ist, fragte Robert im Rahmen seiner Vorbereitungen Absolventen von demokratischen Schulen nach ihrer Bilanz. „Inhaltlich gab es keine Probleme...“ wurde sich übereinstimmend geäußert, „...aber ich wurde während der Berufsausbildung als unhöflich wahrgenommen, weil ich wie in meiner Schule die Probleme offen und ehrlich ansprach.“ (
www.infinita-schule.de)
Mitschnitt des Vortrags vom 26.11.11
Einladung zur Veranstaltung
Literaturhinweise
Daniel Greenberg:
Endlich frei!: Leben und Lernen an der Sudbury Valley Schule
Arbor-Verlag
Freiburg (2004)




