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19.4.2014 : 16:33

Vom Mißbrauch jugendbewegter Ideale

Bericht von der Meißnernacht 2011

Die bündische Szene hat wunderschöne Seiten. Die gemeinsamen Stunden in der Gruppe, das Singen in den abendlichen Feuerrunden, Freunde fürs Leben finden. Das bündische Leben weckt die Lust und Neugier in die weite Welt zu reisen. Ja die jugendbewegte bündische Szene hat viele Sonnenseiten.

Aber sie hat auch Schattenseiten, die wir Bündischen jahrzehntelang ausgeblendet haben. Wir haben unsere Augen verschlossen und die dunklen Seiten hinter einer Tür aus Naivität und Gutglauben verschlossen.

Eine der Schattentüren wurde in der Meißnernacht 2011 auf der Burg Ludwigstein wieder einmal ein Stück weiter aufgeschoben, als wir uns mit „Sexueller Gewalt in jugendbewegten Gruppen“ auseinandersetzten. Als Referent wurde Christian Füller eingeladen, der als Aufklärer der Geschehnisse an der Odenwaldschule das Buch „Sündenfall“ -Wie die Reformpädagogik ihre Ideale missbrauchte verfasste. Füller gab uns tiefe Einblicke in die Vorfälle an der Odenwaldschule und erklärte wie Missbrauchsfälle über so viele Jahre hinweg unentdeckt bleiben können. Er zog Parallelen vom Aufbau und der Organisation der Odenwaldschule zu der Organisation bündischer Gruppierungen. Er schlug uns seine Thesen um die Ohren, dass in jeder bündischen Organisation Pädophile und Päderasten zu finden seien. Und er ging noch weiter mit einer anderen These, dass Wandervögel zum Vögeln gegründet wurden. Die Wut und das Unverständnis seitens des bündischen Auditoriums waren deutlich spürbar. Füller als Nichtbündischer hatte mit seinen Thesen, die das komplette bündische Leben in Frage stellen, alle Teilnehmer gegen sich aufgebracht. Anschließend gab uns Rosé eine Einführung in das Ludwigsteiner Archiv. Der Blick auf die Geschichte der Jugendbewegung zeigt eine tiefe Verankerung des pädophilen Milieus in der bündischen Szene. Die Liste der Päderasten und pädophilen Täter ist lang und sich reicht von den frühen Anfängen der Jugendbewegung bis in die Gegenwart! Gustav Wyneken und Hans Blüher sind nur zwei Namen auf dieser Liste. Von beiden Personen gibt es Schriftstücke, die ganz unverhohlen von Knabenliebe berichten. Rosé zeigte uns auch unmissverständliches Bildmaterial dazu. Die Luft blieb uns weg, als er mit seinem Vortrag zur Gegenwart kam und uns Texte aus dem Buch Knabenträume: Die schönsten Liebesgeschichten von Heinz Birken vorlas. Der Arbeitskreis „Schatten der Jugendbewegung“ hatte dieses Buch über das Internet bestellt und in den folgenden Monaten immer wieder Emails vom Vertrieb bekommen in denen die neuesten Bucherscheinungen und Foto-CDs mit hübschen Jungen bekannt gemacht wurden. Ein Katalog mit Bildern setzte dem ganzen die Krone auf: Da wurden zwischen all den Foto-CDs mit Bildern von nackten „Jünglingen“ und eindeutigem Inhalt auch Foto-CDs mit Bildern von jungen Pfadfindern auf großer Fahrt verkauft!
Den Rest gaben uns am Ende des Tages Helena und Bölkes, die uns einige pädophile Täter, wie zum Beispiel Horst Schweitzer vorstellten. Dazu konnten wir uns „schöne“ Illustrationen von Knabenakten anschauen und uns das von Heinrich Eichen alias Heinz Birken verfasste Lied Abends treten Elche aus den Dünen anhören.
Den Teilnehmern wurde klar, dass Füllers Thesen gar nicht soweit hergeholt waren, wie zuvor noch vermutet und schon gar nicht komplett widerlegt werden können.
Der große Tag der Jugendbewegung steht kurz bevor, also liebe Jugend: Mach die Augen auf und beweg dich!

Bo
Bonn, den 14.10.2011

Sendung von RundFunk Meissner ausgestrahlt am 13.11.2011